Was blieb von Karl May?

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Fiktion oder Wirklichkeit? Das Karl May Museum von außen

Wer sich in Deutschland für Indianer interessiert, kommt um ihn nicht herum: Karl May. Er prägte unser Bild vom Wilden Westen und den Indianern wie kein anderer. Bis heute zieht das Karl May Fest in Radebeul die Massen an. Und auch sonst erfreut sich das Thema Indianer – First Nations – Native Americans in Deutschland einem außergewöhnlich großen Interesse. Zahlreiche Vereine, Gruppen, Verlage, Museen und sogar zwei riesige Westernstädte beschäftigen sich mit Fiktion und Wirklichkeit rund um das indigene Nordamerika. In Internetforen wird heiß diskutiert, es gibt eigene Zeitschriften, Filme und Auftritte, sogar Powwows und Schwitzhütten. Nicht alles stößt jenseits des Atlantik bei den “echten” Indigenen auf Zustimmung – immerhin geht es hier um ihre ohnehin bedrohte kulturelle Identität, die für andere nicht einfach ein Freizeitvergnügen sein sollte. Doch das ernsthafte Interesse und die aufrichtige Begeisterung vieler, die in Patenschaften, Stiftungen und ehrenamtlichen Engagement, zahlreichen Reisen und Freundschaften mündet, ist das Zeichen einer Völkerverständigung der besonderen Art: zwischen Deutschen und Indianern.

Umso wichtiger ist es, die gemeinsame Geschichte dieser Begegnung der Kulturen besser zu erforschen. Viele Deutsche siedelten im 18. Jahrhundert in Pennsylvania und hatten so Kontakt mit Lenape. Nicht nur sogenannte “Captivity Narratives” zeugen davon. Zur gleichen Zeit brachen Herrnhuter Missionare aus Deutschland nach Amerika auf und lebten über ein Jahrhundert im Kontakt mit den Delaware. Ihre Briefe und Berichten sind oft die einzigen existierenden ethnographischen Quellen zu den Delaware. Lange Zeit wurde die traditionelle Lebensweise der Delaware unterdrückt. Vieles geriet in Vergessenheit. Die indigene Identität wurde verdrängt. Doch seit einigen Jahren gibt es einen erfreulichen Wandel: Mit Hilfe ethnographischer Quellen und Überlieferungen werden Traditionen rekonstriert und widerbelebt, ebenso wie Tänze und vor allem die Sprache. Das Lenape Language Projekt in Oklahoma ist eines dieser Erfolgsbeispiele. Die Missionare waren oft die treibenden Kräfte hinter der Veränderung der Tradition hin zu einer Lebensweise, die ihren christlichen Werten entsprach. Und nun sind es gerade die Aufzeichnungen eben dieser Missionare, die bei der Rekonstruktion helfen.  Umso überraschender ist es, dass es bislang keinerlei gemeinsame Auseinandersetzung zwischen Delaware und Herrnhutern gegeben.

Winnetou und Old Shatterhand, die Geschichte einer fiktiven Freundschaft zwischen einem Weißen und einem Indianer kann symbolhaft stehen für die große Anziehungskraft, die indigene nordamerikanische Kultur auf viele Deutsche hat. Zugleich spricht aus ihr auch die Gefahr, aus der einer fremden kulturellen Identität eine romantische Kulissse für die eigene Fantasie zu machen. In unserer kollektiven Wahrnehmung wimmelt es oft nur so von rassistischen Stereotypen in Bezug auf Indigene Nordamerikas. Das indigene Nordamerika ist vielfältig und uns zu großen Teilen unbekannt. Über die Waldland-Indianer, zu denen auch die Delaware gehören, wissen nur diejenigen etwas, die James Feminore Cooper gelesen haben. Doch da gibt es so viel mehr zu erzählen, Geschichten, die bislang unerzählt blieben; lose Enden einer gemeinsamen Geschichte, die auf Seite der Indigenen zu tiefgreifenden Veränderungen führte; Fragen, auf die es bislang keine Antworten gab.

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Begegnung in Deutschland

Im Sommer 2013 reiste Mike Pace vom Delaware Tribe in Oklahoma mit seiner Frau Ella und Jim Rementer, Leiter des Delaware Sprachprojekts und des Lenape Talking Dictionary nach Deutschland. Wir hatten Gelegenheit, die Gruppe zu treffen und einige Aufnahmen mit ihnen zu machen. Begleitet wurden sie von Robert Götzenberger, der sich seit Jahren für Indigene Nordamerikas einsetzt.

Mike Pace - former Chief of the Oklahoma Delaware, Artisan - Photo Frank Heinig - Sultana Films

Mike Pace – former Chief of the Oklahoma Delaware, Artisan

 

Mike Pace dancing the Bean Dance with Ella Pace and Robert Goetzenberger - Photo Frank Heinig - Sultana Films

Mike Pace dancing the Bean Dance with Ella Pace and Robert Goetzenberger

 

Mike Pace and Robert Goetzenberger - Photo Frank Heinig - Sultana Films

Mike Pace and Robert Goetzenberger

 

Mike Pace teaching language "Aniishik" - Photo Frank Heinig_Sultana Films

Mike Pace bringt uns  “Aniishik” bei

 

Mike Pace dancing the Bean Dance with Ella Pace and Robert Goetzenberger - Photo Frank Heinig - Sultana Films

Mike Pace beim Bean Dance mit Ella und Robert

 

Jim Rementer - Lenape/Delaware Language researcher - Photo Frank Heinig - Sultana Films

Jim Rementer Sprachforscher

Spurensuche in Deutschland

In Vorbereitung zu den Dreharbeiten haben wir uns bereits auf Spurensuche nach Herrnhut und dem Karl May Museum in Radebeul begeben. Die Herrnhuter Brüdergemeinde ist bis heute aktiv. Ihr Zentrum liegt in Herrnhut in der Oberlausitz, aber auch auf dem Herrnhaag in der Wetterau findet sich eine kleine Gemeinschaft.

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Blick über Herrnhut

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Innenansicht Kirche von Herrnhut

Herrnhuter Sternemanufaktur

Herrnhuter Sternemanufaktur