Die Geschichte der Delaware

schildkroete_Stonefish-Goes-East Artwork Susanne Horizon Fränzel Ursprünglich stammen die Delaware von der Ostküste Nordamerikas. Sie lebten an den Ufern des Flusses Delaware, nach welchem die englischen Kolonialisten sie benannten. Ihr Eigenname ist Lenapé, was man mit “Mensch” oder „Volk“ übersetzen kann. Erstmals erwähnt werden sie um 1600 von holländischen Kolonialisten. Später folgten schwedische und schließlich englische Kolonialisten, die den Fluss nach Lord de la Warr, Sir Thomas West, dem Gouverneur der Kolonie Jamestown in Virginia, benannten. Zum ursprünglichen Siedlungsgebiet der Lenape gehörten die heutigen Staaten New Jersey sowie Teile der Staaten Delaware, Pennsylvania und New York. Die Delaware sind Teil der großen Algonkin-Sprachfamilie. Innerhalb der Delawaren-Sprache gibt es zwei unterschiedliche Dialekte: Munsee und Unami, die bis heute unterrichtet werden, um den Erhalt der Sprache zu sichern. Unami wird vor allem in den Gemeinschaften in den USA gesprochen, Munsee in Kanada. Durch Handel, Heirat und Zeremonien verbündeten sich einzelne Gruppen und standen in ständigem Austausch, auch wenn sie unabhängig voneinander agierten. Die Gesellschaft der Lenapé ist traditionell matrilinear organisiert, das bedeutet, die Familienzugehörigkeit wird über die Mutter weitergegeben. Kinder sind von Geburt an Mitglied des Klans der Mutter. Heute kennen wir noch drei Klans: Schildkröte, Truthan und Wolf. Es ist davon auszugehen, dass es früher sogar bis zu zwölf Klans gab, deren Bezeichnungen aber im Laufe der Zeit verschwunden sind. Die Häuser der Delaware wurden aus Zweigen und getrockneter Rinde errichtet und hießen Wigwams. Traditionell waren Frauen und Männern unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbereichen zugeordnet, doch beide Geschlechter waren einander ebenbürtig. Jagd und Fischfang waren Aufgaben, die traditionell die Männer übernahmen, während die Frauen Mais, Bohnen und Kürbisse anbauten. Diese Lebensweise erforderte eine semi-nomade Lebensweise. Die Familien und Gruppen zogen innerhalb des Jahreszyklus von der Winterjagd zum Maisanbau im Frühjahr bis zur Ernte mehrfach um. Dieser Jahreszyklus wurde durch eine Reihe religiöser Zeremonien begleitet.  Im religiösen Weltbild der Lenape sind alle Wesen beseelt, die der große Schöpfer Kishelëmùkònk erschaffen hat: Menschen, Tiere, Pflanzen, Bäume und Wasser. Spiritualität spielte eine entscheidende Rolle im Leben jedes Einzelnen.

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Blaukorn – ein traditionelles Lebensmittel der Lenape

Das alles änderte sich mit der Ankunft der ersten Europäer grundlegend. Viele Delaware starben an eingeschleppten Krankheiten. Zunehmend gab es auch Spannungen mit den Kolonialisten. William Penn, der Begründer Kolonie Pennsylvania, setzte zwar auf einen friedlichen Austausch mit seinen “Brüdern”, den Indianern, aber seine Nachfolger verwarfen diesen Gedanken bereits. Sie wollten das Land der Lenape vereinnahmen. Eine Reihe Landverträge wurde abgeschlossen, so zum Beispiel der betrügerische “Walking Purchase” von 1737. Die Vorstellung, man könne Land besitzen, war den Lenapé fremd. Die Geschenke der Europäer waren für sie ein Zeichen der Freundschaft und der zukünftigen gemeinsamen Nutzung des Landes, das ihnen der große Schöpfer gegeben hatte. Die Delaware betrachteten sich bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts nicht als eine politische Einheit, da sie in vielen Kleingruppen mit eigenen Chiefs, also Häuptlingen organisiert waren. Die Siedlungen der Europäer vertrieben die Delaware von ihrem Heimatland, einige von ihnen sammelten sich mit anderen Stämmen im Ohiotal. Während des Siebenjährigen Krieg wurde das Ohio-Tal zu einem der entscheidenden Kriegsschauplätze, die Delaware kämpften erst auf Seiten der Franzosen und wurden schließlich geschlagen. Eine weitere Migration westwärts war die Folge. Jeder Krieg drängte die Delawaren weiter nach Westen. Später sammelten sich die Lenapé zunächst im Indiana Territory und wanderten dann bis nach Oklahoma, wo heute zwei Gruppen leben, die den Unami-Dialekt sprechen. Dies sind der Delaware Tribe of Indians im östlichen Oklahoma und die Delaware Nation im westlichen Oklahoma. Die Munsee-Delaware fanden größtenteils in Ontario, Kanada eine neue Heimat, wo sie heute in drei Gruppen leben.
Literatur: Weslager, C.A. The Delaware Indians. A history. Rutgers 1990

Autorin Sarah Rubal

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Das Massaker von Gnadenhütten

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Denkmal an das Massaker von Gnadenhütten in Ohio

Während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges bemühten sich die Herrnhuter Missionare um strikte Neutralität, um sich und die bei ihnen lebenden Konvertiten zu schützen. Der Austausch des Missionars David Zeisbergers in der Missionssiedlung Gnadenhütten, Ohio,  mit dem amerikanischen Kommandanten von Fort Pitt erregte jedoch bald das Misstrauen englischer Truppen im Westen und die Missionssiedlungen gerieten zwischen die Fronten.

Die Briten verdächtigten die Missionare, amerikanische Spione zu sein. Sie nahmen sie mit Hilfe der mit ihnen verbündeten Wyandot gefangen und verschleppten sie im Winter 1781 an den oberen Sandusky. Der Hunger jedoch trieb einige der ehemaligen Konvertiten im März 1782 zurück in die verlassenen Siedlungen, weil sie hofften, dort etwas von der zurückgelassenen Ernte zu finden.

Amerikanische Truppen unter Colonel Williamson spürten sie auf und ermordeten 90 Männer, Frauen und Kinder auf brutale Weise. Zwei Kinder überlebten, eines skalpiert, und berichteten, die Soldaten hätten die Bewohner erst eingesperrt und dann in Zweiergruppen hinausgeführt, um sie mit einem Hammer zu erschlagen. Dieses Ereignis beeinflusste die Beziehung zwischen den Lenapé und den Herrnhutern. Man warf den Missionaren vor, die Missionsindianer an die Soldaten ausgeliefert zu haben.

Eine Gedenkstätte erinnert an das tragische Ereignis.

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